Verweilen zwischen Vorstellung und Wirklichkeit

Betina Knoch aus Speyer vereint in ihrem Bilderbuch „Mein Freund Xaverl und ich“ Schmerz, Hoffnung und Freude miteinander.

– Von Carina Weinmann

Verzweiflung und Trauer über den Verlust eines Freundes, Verarbeiten, Erinnern und Träumen: von diesen Erlebnissen und Gefühlen erzählt die Speyererin Betina Knoch in ihrem Buch „Mein Freund Xaverl und ich“. Es ist hauptsächlich ein Bilder- aber kein Kinderbuch, das zwischen Vorstellung und Wirklichkeit verweilen lässt.

Keine drei Sätze dauert es und der Leser taucht ein in eine andere Welt, in die Gedanken und Gefühle eines Mädchens. Das Mädchen hatte einmal einen Freund: Xaverl, irgendwann war er weg, plötzlich verschwunden und tauchte nicht mehr auf.

Ruhig und malerisch schildert das Buch die Freundschaft des Mädchens mit Xaverl, was sie und sein Hund Panja gemeinsam erlebt haben, bevor er plötzlich verschwand. Die Umstände werden nicht genannt, doch der Leser ahnt worum es geht. Er ahnt es, weil die anschließend geschilderten Erlegnisse bekannt erscheinen: tiefe Trauer und Unverständnis, gefolgt von trotziger Wut darüber, verlassen worden zu sein, der sich Verarbeitung anschließt, bis schließlich Erinnerung, in Demut und Freude, übrig bleibt. Es sind die Phasen, die wohl jeder Mensch einmal durchmacht, wenn er einen geliebten Freund verliert.

Knoch beschreibt all dies so einfühlsam und magisch, dass ihr Buch seinen Leser in die Welt des Mädchens mitnimmt, ihn aber gleichzeitig ganz bei sich bleiben lässt. Das Geheimnis liegt vor allem darin, dass die Autorin sehr sparsam mit ihren Worten umgeht. Schöne Wort sind es – aber nicht mehr als nötig, um die Fantasie des Lesers anzuregen und ihm Freiraum für eigene Gefühle, Gedanken und Erinnerungen zu geben. So bilden die Worte auch keine komplette Geschichte, eher Fragmente, die sehr junge und alte Menschen gleichermaßen verstehen können und die nicht nur deshalb zeitlos sind.

Die kurzen Texte, die jeweils einen neuen kleinen Lebensabschnitt des Mädchens beschreiben, werden begleitet von bunten fantasievollen Zeichnungen. Ihnen ist nicht anzusehen, ob sie von einem Kind oder Erwachsenen stammen. Wie der Text sind auch sie einfach gehalten und trotzdem wunderschön.

„Mein Freund Xaverl und ich“ ist ein kleines Kunstwerk, das berührt, indem es Schmerz, Hoffnung und Freude miteinander vereint. Es ist – wie die Autorin selbst schreibt – „ein Buch für jede Altersstufe“, das Ruhe und Magie ausstrahlt und zum Träumen, aber auch zum Nachdenken über das eigene Leben einlädt.